MALE BABES

Pressestimmen - 3 Männer, Küche, Bad

MUSIKKABARETT
Schaum und Schlager

Heiß her geht es zu unterm Dach des BKA-Theaters. Wenn die Male Babes eindeutig zweideutige Töne anschlagen, gibt es unter dem überwiegend männlichen Publikum kein Halten mehr: ob Sänger Martin Heim zu ulkigen Samba-Rhythmen mit dramatischen Gesten seinen Tanzlehrer anschmachtet oder mit schrägem Gesang versucht, seinem Liebeskummer Ausdruck zu verleihen – es dreht sich bei Drei Männer, Küche, Bad, wie der Titel unschwer erahnen lässt, doch letztlich immer wieder um das gemeinsame WG-Leben in Köln-Kalk.

Besonders in der Badewanne ereilten ihn kreative Momente, erzählt Sänger Martin Heim augenzwinkernd. Überhaupt ist bei den drei ausgebildeten Musikern die Badewanne das, was in Hetero-WGs die Küche ist. Hier treffen sich die Jungs auch gerne morgens um vier nach durchzechter Nacht. Und was ihnen im Schaumbad einfällt, mixen sie mit viel Tamtam zu einem musikalischen Potpourri. Von schmutzigen Bossanova-Adaptionen bis hin zum Katzenjammer-Crescendo in „Es ist zu spät“ oder einer orgiastischen Ode an ihren Putzfetisch. Das Trio, das gern mit Klischees und öfter in Berlin als in Köln spielt, tingelt schon seit Jahren über diverse Kleinkunstbühnen – auch auf Solopfaden. Mit spitzer Zunge singen die Glitzerdiven zu eigenen Kompositionen und fremden Hits auch Ernsteres, über Homophobie oder das Für und Wider einer Eheschließung. Zumeist aber geht es ausgesprochen heiter zu, wenn Heim seine WG-Genossen und Bandkollegen Rainer Scheurenbrand (Gitarre) und Gregor Schwellenbach (Bass) becirct. Nebenbei sind die drei jungen Männer wunderbar leichthändige Musiker, was denjenigen ein Trost sein kann, die ihren mitunter tuntigen Humor nicht teilen.

Der Tagesspiegel, 12. September 2008 – Julia Kranz

Kabarett
Warum Männer in der WG immer singen müssen

Die drei Herren sind sich einig: Ihre Männer-WG unterscheidet sich von anderen Lebensformen vor allem durch die Partys. Wenngleich die in Liebesdingen auch schon mal nach hinten losgehen können, wie die eingedeutschte Version des Hits "It's My Party" beweist.
1981 war das Cover von Dave Stewart und Barbara Gaskin noch ein todsicherer Dancefloor-Kracher. Nun aber singt Martin Heim frustriert "Lasst mich heulen!" und gibt sich drastisch den deprimierenden seelischen Folgen partnerschaftlicher Untreue hin.

Noch wackelt der ein oder andere Ton zur Premiere des neuen Programms "Drei Männer, Küche, Bad" vor lauter Aufregung und manches Mal wünschte man sich den Satzgesang weniger dumpf. Doch insgesamt präsentieren sich die Male Babes im BKA-Theater von ihrer Schokoladeseite und zeigen das, was sie am besten können: Sie veralbern Herzschmerz-Kitsch mit selbstironischem Augenzwinkern, ohne die tiefen, echten Gefühle der Lächerlichkeit preiszugeben.
Unterlegt von den balladesken Gitarrenläufen Rainer Scheurenbrands und dem lässig geklopften Kontrabass von Gregor Schwellenbach, unterscheidet sich das Trio allein schon klanglich von ähnlichen komödiantischen Chansonformationen. Wahlweise mit heller Kopfstimme oder mit rauer Röhre interpretiert Martin Heim neben eigenen Songs viele bekannte Hits von Amy Winehouse bis Brotherhood of Man mit neuen Texten.
Die Male Babes werden ihrem Namen nicht nur in den pointierten Conférencen, sondern in zuweilen bissigen Songs gerecht. Aber natürlich machen sie in traditioneller Boygroup-Manier auch vor großen Emotionen nicht Halt und durchstreifen alle Wohlfühlgenres von Salsa bis Pop.

Berliner Morgenpost, 12. September 2008 - Ulrike Borowczyk