SIGRID GRAJEK

Vita

Sigrid Grajek ist seit 1986 als Schauspielerin, Kabarettistin, Moderatorin, Sprecherin und Texterin tätig.

Theaterengagements hatte sie abgesehen von diversen freien Produktionen in der Theatermanufaktur Berlin, dem Stadttheater Bremerhaven und bei den Jedermann-Festspielen (Berlin). Seit 1995 ist Sigrid Grajek Ensemblemitglied im „Berliner Brett'l“, derzeit in vier laufenden Programmen.

Neben ihrer darstellerischen Mitwirkung in den Filmen „Mein ist Dein ganzes Herz“, „Du darfst“ und „Lost in Generation“ hatte Grajek Episodenrollen in den Serien „Die Stadtindianer“, „Hinter Gittern“ und „KDD“ inne.

In den Jahren 2004 bis 2006 war sie als Kolumnistin für RadioRainbowCity tätig.

Im Jahr 1998 entstand die Bühnenfigur Coco Lorès, eine ältere Dame, die vor weit mehr als 25 Jahren nach Berlin kam, um ihren internationalen Durchbruch zu forcieren und deren Markenzeichen das fleischfarbene Kostüm, weiße Kniestrümpfe und Gesundheitsschuhe sind. Ihre ersten Soloprogramme waren „Mit Ton und Takt aus dem Jahrtausend“ (1999) und „Die blutigen Tränen der Johanna von D. - oder wie man sich einen Fallschirm selber häkelt…“ (2000). Im Jahr 2004 etablierte sich Coco Lorès schließlich mit dem Erfolgsprogramm „COCOoning – ein Abend in Kassler und Hornhaut“.

Die aktuelle Produktion von Sigrid Grajek ist „Claire Waldoff – ich will aber gerade vom Leben singen…“, eine musikalische Biographie.

 

 

Programme

 

Claire Waldoff - Ich will aber gerade vom Leben singen...

Ein Claire Waldoff-Abend

Am 22.Januar 1957 starb im Alter von 72 Jahren in Bad Reichenhall eine Frau namens Claire Waldoff nach ihrem zweiten Schlaganfall. Eigentlich hieß sie Klara Wortmann. Sie war am 21.10.1884 in Gelsenkirchen als Tochter eines ehemaligen Bergmanns und Schankwirts und seiner Gattin geboren. Sie hatte Ärztin werden wollen…

Doch es kam alles anders. Sie entdeckte ihre Liebe zum Theater, änderte ihren Namen und landete beim Kabarett in Berlin - und dort schrieb sie Geschichte! Von 1907 bis 1935 war sie der Star auf den Brettern der großen Kabaretts und Varietés, ihre Lieder waren Gassenhauer und wurden auf der Straße gesungen: „Hermann heeßt er!“, „Wer schmeißt denn da mit Lehm“, „Raus mit den Männern aus dem Reichstag“ u. a.

Claire Waldoff hat wie keine andere den Ton getroffen, der die Menschen berührte, weil sie eben „gerade vom Leben singen wollte“ - von den Sorgen und Nöten, von den Freuden und Verwicklungen, die das Leben so mit sich bringt. Allein in Berlin sind heute noch zwei Straßen nach der Künstlerin benannt und ihre Bronzebüste steht vor dem Friedrichstadtpalast.

Und sie war so ganz anders als die Chansonetten, Diseusen und Frauen ihrer Generation. Noch bevor das Zeitalter der „neuen Frau“ ausgerufen wurde, nahm sie sich alle Freiheiten, die ihr in den Sinn kamen. Sie rauchte Pfeife und Zigarre, liebte Nordhäuser Korn, fluchte wie ein Müllkutscher und ihre Stimme war das, was man eine „echte Röhre“ nennt. Heinrich Zille nannte sie Karl („ein Kerl wie Samt und Seide“) und zog mit ihr durch die berüchtigten Kneipen im Norden und Osten von Berlin. Ihre große Liebe war Olly von Roeder, mit der sie 40 Jahre lang Tisch und Bett teilte.

Auf der Bühne stand sie mit Schlips und Kragen, was ihr Ärger mit dem Zensor einbrachte, der die Auffassung vertrat, dass Frauen im Herrenanzug nach 23 Uhr wegen Unsittlichkeit nichts mehr auf der Bühne zu suchen hätten. Weitaus unangenehmer waren allerdings die folgenden Jahre und ihre Auseinandersetzungen mit den faschistischen Machthabern…

Sigrid Grajek sieht in Claire Waldoff die „Urmutter aller Kabarettistinnen“. Entsprechend leidenschaftlich bringt die Schauspielerin die Lieder und das Leben der bemerkenswerten Diseuse auf die Bühne, indem sie in die Figur Claire Waldoff schlüpft, um diese singen, spielen und erzählen zu lassen, wie ihr der Schnabel gewachsen ist: „Zum Brüllen komisch, zum Heulen schön und zum Mitsingen. Und so lesbisch wie nur was.“, schreibt die Berliner Siegessäule im März 2007.

Ein Claire Waldoff-Abend von und mit Sigrid Grajek
Am Piano: Stefanie Rediske

 

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COCOoning - ein Abend in Kassler und Hornhaut

Man könnte glauben, COCOoning habe irgendetwas mit COCO Lorès zu tun – hat es aber nicht: Cocooning kommt von frz. Cocon, zu deutsch: Kokon.
Der Kokon ist das, worin sich die Seidenraupe einspinnt, um nicht gefressen zu werden. Sie klebt sich unappetitlich eingewickelt hinter ein Blatt und hat ihre Ruhe.
Der Mensch versucht das gleiche angesichts der Bedrohungen in der Welt: Er wickelt sich in seinen Jogginganzug ein und klebt sich in die Sofa-Ecke – damit er nicht von Osama bin Laden oder Hartz IV gefressen wird.Der Begriff „Cocooning“ wurde in den 80er Jahren von der amerikanischen Trendforscherin Faith Popcorn geprägt und geistert seitdem in allen möglichen Lebensbereichen herum.
Ob Möbelhäuser, Hobbyutensilienanbieter, Badezimmereinrichter, Immobilienfritzen, HiFi-, Computer- und TV-Dealer: Alle bemühen dieses Wort, um die KonsumentInnen noch mal vom Sofa hoch zu holen für einen Kauf, der sie hinterher noch stärker an dasselbe fesselt.Cocooning entspringt dem instinktiven Bedürfnis des Menschen nach Befriedigung seiner Grundbedürfnisse (Essen, Trinken, Schlafen) und nach Sicherheit. Es ist eine stammhirngeleitete Reaktion auf ein unübersichtliches Außen. Seit der Steinzeit hat sich da nichts geändert: Schön in der Höhle hocken und lecker was zu essen haben. Und damit keiner rein kommt und stört, den Stein vor die Höhle rollen. Früher hat man die Höhlen mit Gras ausgelegt. Heute gibt es Laminat. Statt des Mammuts als Wintervorrat, lagern wir ganzjährig Tiefkühl-Pizza ein. Dem Indoor-Cocooning steht zudem noch das Outdoor-Cocooning gegenüber: Die Tendenz zum Kleingarten ist selbst in linken und autonomen Kreisen nicht mehr zu kaschieren.

Nur gut, dass es das „Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe“ gibt, da sind wir wenigsten vorbereitet, falls doch mal was Schlimmes passiert. Was? Ihr habt Euren staatlich empfohlenen Katastrophen-Nahrungsnotvorrat für zwei Wochen noch nicht eingelagert und der gepackte Notfall-Rucksack steht nicht griffbereit? Ihr habt keinen Helm, keine Gasmaske und kein Camping-Klo? Ihr seid nicht gut vorbereitet!Coco traf auf das Thema Cocooning, als sie sich beim Kauf eines Sofas ertappte, und so entstand dieses abendfüllende Programm.

Und wer ist eigentlich Coco Lorès?
Coco Lorès ist eine Dame älteren Baujahrs, die vor mehr als 25 Jahren nach Berlin kam um ihren internationalen Durchbruch zu forcieren. Nach langen Jahren des Sammelns und Jagens erlebte man sie 1998 das 1. Mal auf der Bühne. Damals noch mit ihrer Pianistin Pia Noforte. Die Programme „Mit Ton & Takt aus dem Jahrtausend“ und „Die blutigen Tränen der Madonna von D.“ wurden im Theater Charlottchen und im Café Theater Schalotte uraufgeführt. Schon damals zeichnete sich Coco auch als Texterin verantwortlich. So auch heute: Was Coco sagt und singt, hat sie selbst geschrieben. Als Coco und Pia getrennte Wege einschlugen, exhumierte Coco ihre kleine blaue Gitarre und untermalt sich musikalisch nun eigenhändig, meistens nach dem Motto: "Ich bin heute Abend mit so vielen Tönen verabredet – die kann ich gar nicht alle treffen!"